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Inspiration

Dezember 2011

Es hat mal jemand gesagt, dass Erziehung nur 2 Zutaten braucht: bedingungslose Liebe und ein gutes Beispiel abgeben. Als ich neulich über die Qualitäten von Vorgesetzten sinnierte fand ich, dass hier genau die gleichen Eigenschaften wünschenswert seien. Denn ein Führer trägt Verantwortung für andere Menschen. Was würde ich mir als Mitarbeiter wünschen? Bedingungslose Liebe im Sinne von Mitgefühl, und selbstverständlich ein gutes Beispiel! Wer damit gesegnet ist, ist zumeist auch ein inspirierender Mensch. Inspiration weckt die eigenen noch unentdeckten Fähigkeiten. Sie können sich nur in einem Umfeld von Vertrauen, Ermutigung und guten Beispielen entwickeln.

Was für ein Vater wäre ich, wenn die Augen meiner Kinder nicht leuchteten? Was für ein Lehrer wäre ich, wenn die Augen meiner Schüler nicht strahlten, wenn ich meinen Schülern keinen Anstoß geben könnte, sich zu entfalten, Freude zu erleben, neue Potentiale in sich zu entdecken? Ein Führer sollte die Gabe haben, die ihm Anvertrauten hochzuziehen, ihnen Mut zuzusprechen, ihnen zu zeigen, wie sie ihre Schatztrue öffnen können. Inspirierende Menschen machen das Leben ihrer Mitmenschen wertvoller. Solche Menschen können Freude geben, dass einem schwindlig wird. Freude ist deshalb auch das Thema im Artikel weiter unten.

Ich habe eine neue Definition von Erfolg. Er lässt sich daran messen, wieviel strahlende Augen jemand um sich versammeln kann. Das ist natürlich eine ganz andere Interpretation als die gängige Meinung. Oft wird Erfolg mit der Kunst der Täuschung gleichgesetzt. Ich halte Manipulation jedoch für eine Sackgasse. Inspiration hingegen kommt aus ehrlichem Verhalten, besonders zu sich selbst, und damit verbunden aus noblen Handlungen, die nämlich zum Nutzen der Menschheit sind und eben die Augen der anderen strahlen lassen. Inspiration kommt aus Intuition. Sie funktioniert so selten, weil wir nie richtig gelernt haben, ehrlich mit uns selbst zu sein. Oft haben uns die entsprechenden Führer gefehlt.

Die Krux mit Intuition und Inspiration liegt im frei gewählten Selbstbetrug. Weil ich mich selbst betrüge, kann ich auch meiner inneren Stimme nicht vertrauen. Bevor ich meinen Gefühlen vertrauen kann, muss ich mir selbst vertrauen. Dazu muss ich ehrlich mit mir sein.

Auf TED habe ich 2 Videos von inspirierenden Menschen entdeckt. Sie betätigen sich auf ganz unterschiedlichen Gebieten, aber jeder für sich hat es geschafft, mich zu entflammen. Ich habe gemerkt, dass die Dinge, die ich gut kann, nicht wirklich aus meinen Genen stammen. Ich habe einfach auf bestimmten Gebieten inspirierende Lehrer gehabt, und auf anderen nicht. Ich glaube heute, jeder Mensch könnte auf jedem Gebiet großartiges leisten, wenn er nur einen entsprechenden Mentor hätte.

Robert Sapolsky, Professor für Biologie und Neurologie in Stanford, Autor des Buches »Weshalb Zebras keine Geschwüre bekommen«, spricht eine halbe Stunde über The uniqueness of humans, die Einzigartigkeit des menschlichen Wesens. Mit seiner Vortragsreihe zum menschlichen Verhalten hat er im Internet eine große Fangemeinde gefunden.

Benjamin Zander ist ein Dirigent voll innerer Freude zur Musik. Als die Manager eines Bostoner Konzerthauses mit seiner Arbeit nicht zufrieden waren, gründete er kurzerhand das Boston Philharmonic Orchestra, was überhaupt nicht schwer fiel, weil das komplette Ensemble am alten Ort kündigte und mit ihm ging. Wer ihm bei den Proben zuschaut, wird mit absoluter Sicherheit das Strahlen in den Augen seiner Musiker wieder finden, von dem ich weiter oben gesprochen habe. Das Orchester besteht übrigens aus 3 gleich großen Parteien: Profis, Amateure und Musikstudenten. Zander schrieb ein Buch über die Kunstfertigkeit, die besten Möglichkeiten zu entdecken, das ist seine Definition von Wundern, und er öffnet damit die Schatztrue zur Kreativität. Sein Vortrag On Music and Passion, über Musik und Hingabe, ist voll Begeisterung. Am Ende erwähnt er eine Frau, die Auschwitz überlebt hat. Als Kind war sie mit ihrem kleineren Bruder im Gefangenentransport ins Vernichtertungslager gebracht worden. Sie beschimpfte den Jungen, weil er seine Schuhe nicht richtig zugebunden hatte. Es war das letzte Mal, dass sie ihn lebend sah. Zu Zander sagte sie später: »I will never ever say anything that could not stand as the last thing I ever say« - ich werde nie wieder etwas sagen, das nicht als die letzten Worte in meinem Leben bestand haben könnte.

Lieber Leser, ich wünsche dir eine zutiefst inspirierende Zeit.

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