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Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Über die Psychologie der Freude

November 2011

Bora Bora Intercontinental Thalasso
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Lässt sich das überbieten? Grenzenlose Freude? Ist es denkbar, für alle Zeit von tiefster Freude erfüllt zu sein? Warum nicht? Könnte ich das ertragen? Heisst doch grenzenlos, dass ich Freude nicht im Zaum halten könnte, nicht ertragen müsste. Wäre das schlimm? Freude ist so schön, dass sie unerträglich ist. Gerade deshalb ist sie mein Ziel, wenn man bei den höchsten Gefühlen überhaupt von Ziel sprechen kann...

In totaler Freude ist für andere Emotionen kein Platz. Alles, was mich einengt, ist auf Null entleert. Es gibt keine Trauer, es gibt keine Angst, es gibt keine Sorgen, es gibt keine Wut. Es gibt keine Schuld und es gibt keine Trennung. Es gibt keinen Schmerz. Es gibt keinen Tod. Das Leben ist nur noch das, weshalb es sich lohnt zu leben. In tiefster Freude bin ich den Göttern nah und meine Seele kann sich nähren, meine Essenz kann aufblühen.

Oh' Dionysos, Gott des Weines und der Fruchtbarkeit, du dreifach geborener Gott der Ekstase, erwecke mich zum vollständigen, sinnlichen, spielerischen, lustvollen Leben! Es ist so schön, dass es kaum zum aushalten ist! Zum Glück muss ich es ja nicht aushalten. Mein Selbst darf ja aus meinem Körper heraus, aus meinen Gedanken, vor allem wenn sie mich runterziehen wollen.

Ich fliege, und mein Körper tanzt ob dieser ungewohnten Freiheit, endlich Freiheit, die Leichtigkeit des Seins spüren, voller Freude sein, diesen Zustand nicht ertragen zu können. Ich bin das tanzende Universum, trunken von Glück.

Wen interessiert noch das äussere Glück, wenn ich doch innerlich von Gott erfüllt sein kann?

Ich verstehe nicht, wie es so viel Streit und Missgunst und all die anderen Emotionen in der Welt gibt. Wie kann man nur glauben, dass das Leben eine Qual sei und die Welt ein gemeiner Ort? Wie kann man sich nur so weit von seiner Natur entfernen?

In der Tiefe des Universums habe ich jetzt die Erklärung gefunden, und das ist der ganze Sinn dieses Artikels. Es ist die Unerträglichkeit der Leichtigkeit des Seins und deswegen des natürlichen Zustands der Freude. Es ist für viele einfach nicht zum aushalten! Ein Mensch kann einfach nicht mehr Freude in sein Leben ziehen, als er glaubt zu ertragen. Deswegen muss jemand die Welt und seine Umgebung soweit herunterziehen, bis der Geist endlich einen Vorwand gefunden hat, ohne Freude durchs Leben zu kriechen! Endlich ist es mir klar, weshalb es Krieg gibt. Es ist die Angst vor der Freude. Die Angst, das Durchströmen der Göttlichkeit nicht ertragen zu können.

Wir brauchen Mut, die verschlossenen schönen Seiten in uns selbst nicht mehr zu ertragen, wir brauchen Mut, sie aus ihrem Gefängnis freizulassen. Wir müssen das Spiel riskieren, dass uns diese schöne Emotion umbringt, wenn wir sie freilassen.

Dieser Tod wäre grossartig, ein neuer Mensch würde geboren, den Göttern so nah, vielleicht halb Mensch, halb Gott, so wie du, Dionysos? Mal Löwe, mal Ziege, mal Mensch, mal Gott? Du kannst transzendente Freude bringen, während ich mit meiner Verrücktheit und mit meinen Launen spiele, mit dem Nervenkitzel, den ich nicht planen kann! Du kannst mich die Grenzen des spirituellen Bewusstseins überschreiten lassen.

Nelson Mandela hat von der grössten Angst des Menschen gesprochen, nämlich unermesslich mächtig zu sein und sein eigenes Licht mehr zu fürchten als seine Dunkelheit. Lasst uns den Mut finden, unser eigenes Licht erstrahlen zu lassen! Wir brauchen es nicht zu ertragen. Es wird die Freude vollkommen machen und ohne unser Zutun andere befreien!

Ekstase: wenn ich etwas nicht mehr ertrage und mein Selbst es in meinem Körper nicht mehr aushält. Ekstase kommt von εκστασις »ex stasis« und heisst wörtlich, ausserhalb von sich selbst zu stehen. Ich bin von einer Emotion erfüllt, die so mächtig ist, dass mein Körper sie nicht ertragen kann, mein Geist sie nicht verstehen kann. Sie ist so mächtig, dass ich in einen Raum ausserhalb von mir selbst transzendieren muss, damit ich sie erleben kann. Ich kann die Freude, die Ekstase, nur in einem anderen Reich erfahren. In Ekstase, dem Spiel mit den Göttern, verdienen wir uns das Recht, wiedergeboren zu werden. Ekstase macht uns wirklich lebendig.

Ich bin enthusiastisch: ενθεος »en theos«, von Gott erfüllt, Gott ist in mir. Die Seele lebt auf, pure Freude. Deswegen kann man nie enthusiastisch »über« etwas sein.

Dionysos: Διόνυσος Der griechische Gott der Ekstase ist im Feuer geboren. Er war der Sohn von Zeus und Semele, einer Sterblichen, was die Eifersucht von Hera, der Frau von Zeus entfachte. Hera überredete die schwangere Semele, das strahlende Gesicht ihres Liebhabers anzuschauen und trieb Semele so in den Tot. Zeus aber liebte seinen Sohn und konnte den Embryo aus der Asche der verbrannten Semele retten, zog ihn in seinem Oberschenkel gross und gebar ihn so ein zweites Mal. Das Kind des Feuers wuchs heran, es machte den Titanen, den alten maskulinen Göttern des Olymp, jedoch solche Angst, dass sie das Kind töteten, zerrissen und verschlungen. Dionysos blieb aber nicht tot. Aus einem Tropfen seines Blutes entsprang ein Granatapfelbaum, Symbol der Fruchtbarkeit, und Rhea, Mutter von Zeus, machte ihn ein weiteres Mal heil. Um ihn vor Hera zu schützen, wurde Dionysos in eine junge Ziege verwandelt und auf dem Nysaberg von Nymphen grossgezogen, freudigen weiblichen Geistern der Wälder und der Berge. Regen und Honig nährten ihn. Er lernte die Musen und sinnlichen Freuden kennen, die Wunder des Tanzes und der überschwänglichen Sexualität, aber auch Weisheit und gute Tugenden, nicht zu vergessen die Kunst der Weinerzeugung. Schliesslich offenbarte sich Dionysos als Gott. Hera erkannte und verfluchte ihn, dass er verrückt würde, aber die weise Rhea konnte ihn abermals retten und davon reinigen. Schliesslich weihte sie ihn in ihre geheimen weiblichen Mysterien ein. Die Macht des Dionysos wurde unvergleichlich.

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