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🐘 Richtig Gehen - Laufen - Joggen

Hito (japanisch Mensch)
»Hito« - der Mensch (Japanisch)

Wer sich mit Kalligraphie befasst, weiss um die tiefe Bedeutung der einzelnen Striche, die nicht nur Silben erschaffen, sondern auch Bilder und Nachrichten, die ein tieferes Wissen transportieren. Zu sehen ist auf dem Schriftzeichen, wie die Japaner den Menschen verstehen. Als ob sie es schon immer gewusst hätten! Mit 2 simplen Linien ist alles gesagt! Der linke Strich, der oben angedockt ist, steht für den Himmel. Der rechte Strich, der unten angedockt ist, steht für die Erde. Der Mensch ist die Verbindung von Himmel und Erde. Das ist seine tiefe - auch spirituelle - Bedeutung. Wenn ich als Mensch meiner Aufgabe oder Bedeutung nicht gerecht werde (Kontakt zwischen Himmel und Erde zu halten), dann ist etwas nicht im Lot. Dann wird es vermutlich Beschwerden darüber geben.

Der Mensch sollte sich so verhalten, sich so bewegen, dass er ständig Kontakt zur Erde hält, dass er mit der Erde verwurzelt ist. Er sollte sich aber gleichzeitig so verhalten und so bewegen, dass der Kontakt zum Himmel nicht verloren geht. Die Kalligraphie zeigt es perfekt.

Es gibt Menschen, die abgehoben sind. Manche lassen fliessen oder fliegen, suchen esoterische Höhen und haben dabei den Boden unter den Füssen verloren. Wie könnten solche Menschen noch Mittler auf Mutter Erde sein, Gärtner im Garten Eden? Wie könnten sie eigentlich noch sicher laufen - so ohne stabile Verankerung?

Es gibt Menschen, die sich ganz klein machen, Menschen, die dicht an der Erde laufen, sich fast niedergedrückt unter dem Himmel bewegen. Wie könnten Menschen mit solch einer Haltung ihr göttliches Wesen nähren, in sich aufnehmen, um es dann zu verbreiten - so ganz ohne mit dem Himmel verankert zu sein?

Der menschliche Körper ist anatomisch so gebaut, dass er sich unter Last gen Himmel strecken kann. Interessanterweise gibt es keine Mechanik in der Wirbelsäule und den umliegenden Sehnen und Muskeln, dass sich ein Mensch willentlich stauchen könnte. Bandscheiben dürften normal gar nicht belastet sein. Wie schaffen wir Menschen es aber, uns soweit zu verbiegen, dass plötzlich Bandscheiben Last tragen müssen? Haben wir vielleicht Angst vor unserer eigenen Grösse?

Eine natürliche Haltung würde unseren Oberkörper zum Himmel strecken und die Füsse auf der Erde festsaugen lassen. Ganz leicht nach vorn gebeugt, mit freiem Becken (als wollte man im Stehen seine grosse Notdurft verrichten) ginge das Stehen praktisch ohne Anstrengung. Beim Brustbein könnte man sich vorstellen, wie es an einem Seil im Himmel aufgehängt ist.

Je weniger Anstrengung eine Haltung macht, desto ökonomischer und gesünder ist sie!

Die Kalligraphie zeigt auch sehr gut, wie man sich bewegen sollte. Der Kopf bleibt beim Laufen auf der gleichen Höhe, immer noch durch das Seil am Brustbein mit dem Himmel verbunden. Es zieht einen dort vorwärts. Der Oberkörper ist soweit nach vorn gebeugt, dass man vornüber fallen würde, täte man nicht ganz schnell das hintere Bein nach vorne zum Abstützen. Da der Körper oben aufgehängt ist (man erinnere sich an die Muskeln, die nach oben strecken können), kann das Bein ohne jedes Gewicht zu tragen, unten locker durchschwingen. Der Schritt kostet überhaupt keine Kraft, was wiederum sehr ökonomisch ist. Das Bein setzt dann so auf, dass der ganze Fuss nahezu gleichzeitig den Boden berührt. Nur so bleibt das ganze frei von Anstrengung. Es entspricht auch der Anatomie, da man den Fuss wie einen dreibeinigen Hocker betrachten kann, mit Ferse, Grosszehenballen und Kleinzehenballen. Nur im gleichzeitigen Aufsetzen der 3 Saugnäpfe lässt sich das Teil sicher und stabil hinstellen. Bei Elefanten kann man diese Art zu laufen gut studieren, man bedenke das Gewicht, mit dem Elefanten fertigwerden müssen. Steht der vordere Fuss, wird es durch das ziehen vom Himmel wieder sehr schnell zu einer Verschiebung des Schwerpunktes kommen, die einen weiteren Schritt erforderlich macht, wenn man nicht hinfallen will. So gelingt das Laufen mühelos und praktisch ohne Kraftanstrengung.

Will man schneller laufen oder etwa einen Berg hinauf, muss man lediglich den Oberkörper weiter nach vorn beugen, damit die ganze Bewegung kraftfrei bleibt und dennoch über die Schwerkraft funktioniert.

Die beschriebene Form habe ich mir mit meinen Rolfing Sitzungen spontan angeeignet. Nachdem Verspannungen im Halteapparat, Bindegewebe und Zwerchfell gelöst waren, musste ich mich weder darauf konzentrieren noch das Ganze mit Anstrengung antrainieren. Der Körper hat von sich aus in seine ökonomisch günstigste Bewegungsform gefunden. Er scheint ein inneres Wissen darum zu haben, wenn man ihn nur gewähren lässt. Meine letzte Behandlung liegt jetzt 5 Monate zurück. Es bleibt der Fakt, dass ich leichter laufen und joggen kann, dass mir bergauf Strecken keine Mühe bereiten. Ich lehne mich einfach weiter vor, und dann läuft es von ganz allein.

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